Online-Magazin von Cirrus Research plc Deutschland

Was ist der Unterschied zwischen Klasse 1 und Klasse 2 Schallpegelmesser?

In diesem Post soll der Unterschied zwischen einem Klasse 1 und einem Klasse 2 Schallpegelmesser erläutert werden.

Die Normen, nach denen Cirrus Research arbeitet, wie z.B. IEC 61672-1:2002 oder DIN EN 61672-1:2003, definieren ein breites Spektrum Leistungskriterien, die das Schallmessgerät erfüllen muss. Diese Kriterien sind technisch sehr komplex und detailliert und werden mit entsprechenden Toleranzen ergänzt. In der aktuellen Norm IEC 61672-1:2002 gibt es Toleranzabstufungen, und zwar Klasse 1 und Klasse 2. Idealerweise würde das Messgerät die Zielwerte des Designs genau treffen, und jeder Schallpegelmesser würde absolut gleich messen und absolut gleiche Messwerte liefern.

Technisch bedingte Messtoleranzen bei Schallpegelmessgeräten

In der Wirklichkeit ist es aber so, dass jedes im Schallpegelmesser integrierte Bauteil auch eine Art Toleranz oder Abweichung aufweist. Sämtliche elektronische Bauteile, die zu einem Schallpegelmesser gehören, wie z.B. Widerstände, Kondensator und sogar Mikroprozessoren, weisen geringfügige Abweichungen auf, und die Summe der Abweichungen ergeben eine gerätespezifische Abweichung von einem “idealen” Gerät. Es gibt auch weitere Faktoren, wie z.B. die Ungenauigkeit der eigentlichen Messung bei der Entwicklung oder Eichung eines Geräts. Die Testgeräte, die zur Prüfung der Schallpegelmesser selbst verwendet werden, weisen ebenfalls Toleranzen auf, und auch diese Faktoren tragen zu den Toleranzangaben bei.

Gesetzlich erlaubte Toleranzen

Aufgrund dieser Abweichungen werden Herstellern Toleranzen, die von den Idealwerten der Norm abweichen, eingeräumt. Ein Beispiel dafür findet sich in der Frequenzbewertung und den Toleranzgrenzen definiert in der IEC 61672-1:2002.

Abweichungen bei niedrigen Frequenzen

Bei einer Referenzfrequenz von 1kHz sind die Toleranzgrenzen für

  • Klasse1 ±1,9 dB
  • und Klasse 2± 2,2 dB.

An den unteren und oberen Enden des Frequenzbereichs sind die Toleranzen größer. Bei 20Hz sind die Toleranzen

  • ± 3,2 dB für Klasse 1
  • und ± 4,2 dB für Klasse 2.

Bei 16Hz sind die Toleranzen 

  • +3,2 dB – 5,2 dB für Klasse 1
  • und +6,2 dB -∞ dB für Klasse 2.

Abweichung bei hohen Frequenzen

Bei hohen Frequenzen gilt dasselbe. Die Toleranzen für ein Messgerät der Klasse 1 sind strenger bei Frequenzen über 8kHz, mit Toleranzen bei 10kHz von +2,9dB-3,9dB für Klasse 1 und ±6,4 für Klasse 2. Bei einer höheren Frequenz von 16kHz sind die Toleranzen +4,5dB-17dB für Klasse 1 und +7,0dB-∞ für Klasse 2.

Ergebnis der unterschiedlichen Toleranzmessbereiche

Es ist ersichtlich, dass ein Gerät der Klasse 1 vor allem bei den Extremen des Frequenzbereichs eine bessere Leistungsfähigkeit haben muss, um innerhalb der strengen Toleranzen zu bleiben.Es ist sehr schwierig, die Frage zu beantworten, wie genau ein Klasse 1 Gerät im Vergleich zu einem Klasse 2 Gerät sein würde, denn es gibt viele verschiedene Kriterien, nach denen sie verglichen werden könnten. Eine einfache Aussage wäre aber, dass ein Schallpegelmesser der Klasse 1 ein breiteres Frequenzspektrum messen muss, und dass er strengere Toleranzgrenzen bei sämtlichen Leistungskriterien einhalten muss.

Welche Schallpegelmesser-Klasse benötigen Sie?

Ob Sie einen Schallpegelmesser der Klasse 1 oder der Klasse 2 benötigen, hängt maßgeblich von Ihrer Anwendung ab. Die Arbeitsschutzrichtlinien von 2005 besagen, dass ein Schallpegelmesser “mindestens Klasse 2 der DIN EN 61672-1:2003 (aktuelle Norm), oder mindestens Typ 2 der DIN EN 60804:2001 (ehemalige Norm)” erfüllen soll.

Wenn Sie nach Umweltschutz-Lärmrichtlinien arbeiten, kann es sein, dass ein Gerät der Klasse 1 vorausgesetzt wird. Zum Beispiel ISO 20906:2009: “Unbeaufsichtigte Überwachung von Flugzeugschall in der Umgebung von Flughäfen” sagt, dass ein Messgerät der elektroakustischen Leistungsspezifikationen der IEC 61672-1 für Klasse 1 Schallpegelmesser erfüllen muss.