„Cirrus misst …“ auf akustischer Rettungsmission!

Wenn Rettungssanitäter im Einsatz durch die Straßen rasen, ist das Martinshorn ein sehr präsentes und allgemein bekanntes Geräusch. Das akustische Warnsignal ist für Rettungsteam, Polizei und Co. unverzichtbar, um auf schnellstem Weg zum Einsatzort zu gelangen. Doch wie laut wird das Signalhorn eigentlich? In Zusammenarbeit mit Thorsten Staarmann, Rettungsdienst-Betriebsleiter Frankfurt und Landkreis Main-Taunus des Malteser Hilfsdiensts und unter Nutzung unseres Optimus Schallpegelmessgeräts haben wir einmal genau nachgemessen.

Was viele nicht wissen – die Sirene erzeugt zwei unterschiedliche Geräusche: Jeder Rettungswagen des Malteser Hilfsdiensts verfügt über ein normales Martinshorn und über ein spezielles Presslufthorn, das jeweils Signaltöne einer vorgegebenen Grundfrequenz wiedergibt (dies ist nach DIN 14610 genormt).

Martinshorn

Presslufthorn

Aber nicht immer kommt das Martinshorn zum Einsatz: Beim Malteser Hilfsdienst wird die Sirene auf dem Weg zum Ort des Geschehens je nach Lage und auf Anordnung der Leitstelle oder auf Anweisung des medizinisch verantwortlichen Mitarbeiters verwendet.

Malteser Hilfsdienst mit Optimus Schallpegelmesser

Die Spitzenwerte der Messungen

1. Aus 1,5 Meter Entfernung

Zunächst wurde das Martinshorn des Malteser-RTW aus 1,5 Meter Entfernung gemessen. Dabei ergab sich ein durchschnittlicher Lärmpegel von 109,45 Dezibel (dB), was in etwa dem Pegel einer Kettensäge entspricht. Als Höchstwert wurden 120,73 dB ermittelt. So laut wird es zum Beispiel bei einem Rockkonzert. In Kombination mit dem Presslufthorn wurde der durchschnittliche Lärmpegel etwas leiser und lag nur noch bei 107,65 dB. Das liegt daran, dass das Presslufthorn den Schall anders verbreitet und daher eher in größerer Entfernung wirkt. Einen Spitzenwert von 126,91 dB lässt sich die geräuschvolle Kombination dennoch nicht nehmen.

wurde das Martinshorn des Malteser-RTW aus 1,5 Meter Entfernung gemessen

Martinshorn – 120,73 dB

Martinshorn und Presslufthorn – 126,91 dB

2. Aus 20 Meter Entfernung

In einer Entfernung von 20 Metern wurde es dann ein paar Nuancen leiser: Das Martinshorn erreichte 97,55 dB – so laut wird es beispielweise in einem Sägewerk. Zusammen mit dem Presslufthorn wurde die Hundert-Dezibel-Grenze dann wieder überschritten und war mit einem Lärmpegel von 103,54 dB in etwa vergleichbar mit einer Disco. Die Spitzenwerte lagen hier bei 109,39 dB und 119,53 dB.

Das Martinshorn Aus 20 Meter Entfernung

Martinshorn – 109,39 dB

Martinshorn und Presslufthorn – 119,53 dB

3. In der Fahrerkabine

Zu guter Letzt wurde noch der Geräuschpegel in der Fahrerkabine des RTW gemessen. Der gut gedämmte Innenraum senkte den Lärmpegel auf durchschnittlich 83,33 dB (nur Martinshorn) beziehungsweise  85,73 dB (Martinshorn und Presslufthorn).

wurde noch der Geräuschpegel in der Fahrerkabine des RTW gemessen

Martinshorn – 99,92 dB

Martinshorn und Presslufthorn – 104.85 dB

Die gemessenen Werte liegen alle zwischen 85 und 127 Dezibel, was etwa mit einer stark befahrenen Straße hin zu einem Düsenflugzeug verglichen werden kann. Für Passanten und Straßenverkehrsteilnehmer birgt eine vorbeifahrende Sirene keine Risiken. Zwar erreicht das Warnsignal einen immensen Lärmpegel, dieser wäre jedoch nur bei dauerhafter Einwirkung gesundheitsschädigend. Außerdem setzen Sanitäter, Polizei und Feuerwehr das Martinshorn nur in Notfällen oder auf Anweisung des Notarztes ein.

Was man über den Einsatz des Martinshorns wissen sollte:

  • Das Martinshorn darf nur in Verbindung mit dem Blaulicht genutzt werden.
  • In diesem Fall darf der Fahrer des RTW nach §38 StVO das sogenannte „Wegerecht“ in Anspruch nehmen. Das heißt, dass Verkehrsteilnehmer dem Rettungswagen Platz machen müssen.
  • Das Wegerecht ist aber nicht mit dem Sonderrecht gleichzusetzen, das die Abweichung von der Straßenverkehrsordnung erlaubt (wie beispielsweise eine rote Ampel überqueren). Fahrzeugführer des Rettungsdienstes dürfen sich nur über die Regeln der StVO hinwegsetzen, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Selbiges gilt beispielsweise auch für Privat-PKWs, sollten diese einen bedrohlich Verletzten oder eine Gebärende ins Krankenhaus befördern.
  • Trotzdem müssen sich Fahrer eines RTW weitestgehend an die Straßenverkehrsordnung halten. Polizei und Feuerwehr dürfen beispielsweise in bestimmten Situationen zusätzlich zum Wegerecht das sogenannte „Sonderrecht“ in Anspruch nehmen. In diesem Fall sind die Fahrzeuge nach §35 StVO von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung befreit.
  • Auf dem RTW des Malteser Hilfsdiensts steht das Wort „Rettungsdienst“ spiegelverkehrt auf der Motorhaube, damit vorausfahrende Fahrzeuge im Rückspiegel lesen können, welches Fahrzeug angefahren kommt.

Haben Sie in Ihrem Berufsalltag auch eine interessante Geräuschquelle bei der Sie sich fragen, wie laut sie tatsächlich ist? Oder haben Sie ganz allgemein eine spannende Idee für unsere nächste Messung? Wir freuen uns auf Ihre Anfrage oder Messvorschläge an vertrieb@cirrusresearch.de und stellen Ihnen gerne die detaillierten Ergebnisse zur Verfügung.

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